„Wenn es gilt, etwas zu verändern, muss man aktiv dafür etwas tun, ansonsten verändert sich nichts.“

Steffen Unger

Die weitverbreitete Unzufriedenheit mit den jeweils herrschenden Parteien führt nicht mehr dazu, daß man in großem Stil sein Heil bei der Opposition sucht, die dann erfahrungsgemäß doch nur so weitermacht wie ihre Vorgängerinnen. Stattdessen bilden sich immer mehr Bürgerinitiativen und andere Zusammenschlüsse von Bürgern, die ihre Angelegenheit selbst in die Hand nehmen. Und mit Blick auf die Wahlen im September sind außerdem in verschiedenen Bezirken Wählergemeinschaften entstanden, die für die jeweilige Bezirksverordnetenversammlung kandidieren.

Interview mit Steffen Unger, Kandidat der Wählergemeinschaft „Aktive Bürger für Charlottenburg-Wilmersdorf“ (Listenplatz 6)

Was veranlasst dich, „in die Politik gehen“ zu wollen?
Wenn es gilt, etwas zu verändern, muss man aktiv dafür etwas tun, ansonsten verändert sich nichts. Daher blieb mir gar nichts anderes übrig. Ich möchte, dass Berlin mit seinen Ecken und Kanten, mit seinem Betongrau und Waldgrün, seinem

Siedlung Westend

Siedlung Westend

Charme und seiner ungestümen, aber sehr emotionalen Nächstenliebe erhalten bleibt. Ich möchte nicht, dass aus Berlin ein zweites New York wird.
Die Gentrifizierung – also die Verdrängung sozial Schwacher zugunsten wohlhabenderer Bevölkerungsgruppen – muss gestoppt werden – z.B. hier in der Siedlung Westend. Die kommunale Politik versagt hier. Es gibt die Werkzeuge dafür, nur nutzt die kommunale Politik sie viel zu selten. In Charlottenburg-Wilmersdorf werden diese Werkzeuge verhangen und verschlossen. Oder man hat das Gefühl, die kommunale Politik kennt diese Werkzeuge nicht, daher muss man aktiv werden, in die Politik gehen, sofern man diese Gentrifizierung stoppen möchte. Es ist keine Frage mehr des einfachen „Wollens“, sondern mehr des „Müssens“.
Berlin muss ditt bleiben, watt es noch is, ehn großes Haus mit 3,5 Mio. lieben Nachbarn.

Warum gehst Du zu diesem Zweck nicht in eine der etablierten Parteien, sondern hast mit anderen zusammen die „Aktiven Bürger“ gegründet?
Es gab einfach keine Alternative, der ich mich hätte anschließen können.

Was will die Wählergemeinschaft „Aktive Bürger für Charlottenburg-Wilmersdorf“ anders machen als die etablierten Parteien? Welche Rolle werden die Bürger dabei spielen?

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Erste selbstorganisierte Einwohnerversammlung

Die Interessen der Bürger „vor Ort“ vertreten und ihnen vor allem Gehör verschaffen. Dabei geht es um den bereits erwähnten Kampf gegen die Gentrifizierung unserer Siedlung und um die Wahrnehmung von Bürgerrechten, die jeder Bürger hat und die die aktuelle Politik gerne verschweigt: Einwohnerfragen, Einwohnerversammlungen und Einwohneranträge.
Ich sehe mich insofern in unserem kleinem Bereich in der Siedlung Westend als aktiv und einer, der bereits etwas anders macht. Aktiv mit den Bürgern und Politikern auf gleicher Ebene ins Gespräch gehen, den Bürgern Unterstützung geben und ihnen die Möglichkeiten aufzeigen, die ich eben genannt habe. Es gibt viele Möglichkeiten für jeden Bürger, sich Gehör zu verschaffen.
Man muss den Bürger dies nur aufzeigen und aktiv bei der Umsetzung unterstützen. Nur so kann es wieder zu einem Dialog von Bürger und Politik kommen, nur so kann der Bürger aktiv an der Stadtentwicklung teilnehmen, nur so kann die Gentrifizierung gestoppt werden, nur so bleibt Berlin, Berlin.

Und zum Schluss noch: Was schlägst du den „einfachen Bürgern“ vor, um sich in die Bezirkspolitik einzumischen?

Wenn man von „einfachen Bürgern“ spricht, gibt es dann „bessere Bürger“? Alle Bürger sollten gleich behandelt, jede Stimme gleich bewertet werden und jeder Bürger sollte die gleichen Chancen besitzen, unabhängig von allem. Jeder sollte daher aktiv werden, vor allem aber zur Wahl gehen und seine Stimme nicht verfallen lassen.

 

*MR*