„Nach 20 Jahren in einer der ‚großen‘ Parteien hatte ich die Schnauze voll. Alles kam von oben.“

Interview mit Heinz Murken, Kandidat der Wählergemeinschaft „Aktive Bürger für Charlottenburg-Wilmersdorf“ (Listenplatz 4)

Du willst also „in die Politik gehen“. Warum trittst Du da nicht einfach in eine der etablierten Parteien ein, sondern hast mit anderen zusammen die „Aktiven Bürger“ gegründet?
Da war ich schon! Nach 20 Jahren in einer der beiden „großen“ Parteien hatte ich irgendwann die Schnauze voll. Alles kam von oben, Eigeninitiative wurde, wenn überhaupt wahr genommen, glattgebügelt. Parteien ähneln ein wenig dem öffentlichen Dienst, sie sind schwerfällig, und häufig werden in ihnen von oben herab Entscheidungen gefällt.

Die Seesener Straße, bevor die 16 Gärten unrechtmäßig gekündigt und in „Bauerwartungsland“ verwandelt wurden

Meine wichtigsten BI-Erfahrungen waren: den freien Zugang zum Schloßpark Charlottenburg zu erhalten, die Gerhardt-Hauptmann-Anlage [am U-Bf. Spichernstraße] vor dem Bau eines 80 Meter hohen Bürohauses zu bewahren und natürlich in Halensee die Verhinderung eines Möbelmarktes in der Größe des KaDeWe. Die BI Henriettenplatz habe ich 2002 mitbegründet und gehöre ihr auch nach wie vor an.
Was ich in meiner freiwilligen langjährigen Arbeit in Bürgerinitiativen immer wieder erlebe: Der normale, nicht sonderlich politisch aktive Mensch, muß schon sehr laut klopfen, um von der Politik gehört zu werden. Parteien sprechen nur selten die Sprache der Bürger, für die sie doch die Politik machen wollen und sollen.
Wenn man zu oft geklopft hat, dann kommt man irgendwann zu dem Schluß: die Politik selber zu machen, ist einfacher und besser, als immer nur darauf zu hoffen, daß das Anklopfen an der Rathaustür auch gehört wird.
Und überhaupt: Die Demokratie wird unten entschieden – da, wo Menschen sie direkt spüren, in ihrem Kiez. Wenn die Politik dort nicht dafür sorgt, daß alle miteinander und jeder für sich frei leben können, dann versagt die Demokratie. Deshalb ist es wichtig, hier Offenheit und Transparenz zu zeigen und mit den Bürgern, statt gegen sie, die Zukunft zu gestalten.

Was will die Wählergemeinschaft „Aktive Bürger für Charlottenburg-Wilmersdorf“ anders machen als die etablierten Parteien? Welche Rolle werden die Bürger dabei spielen?
Bürger sollen nicht mehr vor der Tür stehen, anklopfen und dann hoffen müssen, daß ihr Wunsch oder auch ihre Sorge gehört wird.
Wer einmal in einer Bürgerinitiative gearbeitet hat, der weiß, wie frustrierend es sein kann, gegen die Mauern im Rathaus anzulaufen.

Und zum Schluß noch: Was schlägst du den „einfachen Bürgern“ vor, um sich in die Bezirkspolitik einzumischen?
Was ich mir wünsche, ist, daß jeder Bürger in Berlin nicht nur alle fünf Jahre sein Kreuz macht, sondern daß noch viel mehr Bürger eine Bilanz ziehen. Wahlen müssen wieder die Quittung sein für das, was getan wurde, und nicht dadurch gewonnen werden, daß wir den besten Wahlversprechen glauben.
Aktuell erleben wir in Berlin, daß die Brandstifter die Feuerwehr rufen. Die, die die Wohnungsnot verursacht haben, versprechen jetzt, sich darum zu kümmern.
Ich wünsche mir, daß wir als Wählergemeinschaft es schaffen, allen Bürgern den Mut zu geben, Fragen zu stellen, sich einzumischen und auch, wenn nötig, sich zu wehren. Ich möchte, daß wir nicht nur für die Bürger etwas tun, sondern gemeinsam mit den Bürgern etwas tun, für den Ort, an dem wir alle leben.