„Die Politiker sind Dienstleister der Bürger. Die Bürger sind keine Bittsteller, sondern die Auftraggeber.“


Interview mit Siegfried Schlosser, Kandidat der Wählergemeinschaft „Aktive Bürger für Charlottenburg-Wilmersdorf“ (Listenplatz 2)

Du willst weiterhin „Politik machen“. Warum bleibst Du dazu nicht einfach in Deiner bisherigen Partei, sondern hast mit anderen zusammen die „Aktiven Bürger“ gegründet?

Ich war ja fünf Jahre lang Bezirksverordneter für die Piratenpartei. Ich war also in einer etablierten Partei. Tatsächlich bin ich weiterhin Mitglied bei den Piraten. In den fünf Jahren musste ich aber feststellen, daß meine Idee von Stadtentwicklung bei meinen Mitstreitern zunehmend weniger Anerkennung gefunden hat.
Von den drei anderen „großen“ Parteien in der BVV kam eigentlich nur die CDU meinen Vorstellungen von Stadtentwicklung am nächsten. Die Zusammenarbeit

Einwohnerversammlung zur Kolonie Oeynhausen, Mai 2013

Einwohnerversammlung zur Kolonie Oeynhausen, Mai 2013

mit den zuständigen Kolleginnen und Kollegen in der CDU-Fraktion war auch meist sehr gut und erfolgreich. Allerdings – ich in der CDU …. nee, geht gar nicht.
Als die Idee aufkam, die Kräfte zu bündeln, die den erfolgreichen, aber vom Bezirksamt letztlich doch abgelehnten Bürgerentscheid zur Rettung der Kolonie Oeynhausen auf den Weg gebracht hatten, war ich gleich dabei.

Was will die Wählergemeinschaft „Aktive Bürger für Charlottenburg-Wilmersdorf“ anders machen als die etablierten Parteien? Welche Rolle werden die Bürger dabei spielen?

Wir wollen mehr Transparenz, mehr Mitbestimmung durch die von den politischen Entscheidungen Betroffenen, eine „menschlichere“ Baupolitik, die die Bedürfnisse der heutigen und der zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner unseres Bezirkes im Auge hat und nicht nur die Wünsche der Investoren. Wir wollen die Grünflächen im Bezirk erhalten und dabei die starke Nachfrage nach neuen, bezahlbaren Wohnungen beachten. Dazu ist es notwendig, mögliche Bauflächen zu identifizieren, diese zu entwickeln und schonend zu bebauen. Das geht nur im Dialog mit allen Beteiligten und Betroffenen. Die Möglichkeiten, die das aktuelle Baurecht bietet, müssen intensiv ausgeschöpft werden. Ja, das ist anstrengend und langwierig, aber: es ist notwendig.

Und zum Schluß noch: Was schlägst du den „einfachen Bürgern“ vor, um sich in die Bezirkspolitik einzumischen?

1. Hingehen, zuhören, mitreden! Die Sitzungen der Ausschüsse sind überwiegend öffentlich, und eine Änderung der Geschäftsordung, die ich mit anderen
zusammen initiiert habe, hat die Mitredemöglichkeiten der anwesenden Bürger in diesen Sitzungen erheblich erweitert.

2. Alle Informationsmöglichkeiten ausschöpfen, die das Bezirksamt, die BVV und die Fraktionen anbieten. Lesen,

Aus, vorbei: niemals mehr ein Sommerfest in der Kolonie Oeynhausen

Aus, vorbei: niemals mehr ein Sommerfest in der Kolonie Oeynhausen

verstehen, mitreden, Vorschläge machen, mit der Politik auch außerhalb der Sitzungen diskutieren, die Politik zu Versammlungen/Treffen/Bürgerinitiativen einladen.
3. Es gibt keine „einfachen Bürger“. Es gibt heute keine „Obrigkeit“ mehr. Die Politiker sind Dienstleister der Bürger. Die Bürger sind keine Bittsteller, sondern die Auftraggeber für alles, was in der BVV oder dem Bezirksamt passiert.

MR