08.08.2019

Aktive Bürger
Schlangenbader Str 11
14197 Berlin


Bezirksbürgermeister Naumann
Bezirksstadtrat Herz
Bezirksstadtrat Schruoffenegger
Fraktionen in der BVV C-W
Regierender Bürgermeister
Senatorin für Wirtschaft
Presse

 

Sehr geehrtes Bezirksamt,

Der Kurfürstendamm ist für Berlin, was die Champs-Élysées für Paris sind: Das Herz der City-West und ein für Berlin wesentlicher Wirtschaftsstandort in CharlottenburgWilmersdorf.
Hier gehen die Touristen hin, hier wird ein Teil des Geldes verdient, dass in den Berliner Haushalt fließt.
Was für die Vergangenheit galt, sollte auch für heute und die Zukunft gelten.
Wer sich in diesem Jahr den Kurfürstendamm in Ruhe anschaut, der ist noch mehr als im letzten Sommer entsetzt:
Selbst beim besten Willen lässt sich nicht mehr übersehen, wie heruntergekommen der Kurfürstendamm ist. Am besten drückte es uns gegenüber ein Taxifahrer aus unserem Bezirk aus:


„Der Ku’Damm ist Bezirk und Senat völlig egal“


Der vollkommen ohne jedes Gespür für die Historie des Platzes zur Festung umgebaute Breitscheidplatz ist dafür der bekannteste Beweis.

Aber der Ku‘Damm ist immer auch das gefühlte Wohnzimmer ungezählter Berliner. Rund um den gesamten Ku‘Damm wohnen, zum Glück, auch noch immer viele Menschen. Wir glauben, es wird nicht mehr lange dauern, und die ersten Gewerbemieter werden wegen des ungepflegten und sich selbst überlassenen Kurfürstendamm in die City-Ost abwandern.

Was sehen also viele Berlinerinnen und Berliner und natürlich auch Touristen täglich? Ungepflegte Mittelstreifen, aus denen das hochwachsende Unkraut den Autofahrern in die Seitenfenster schaut. Auf über 3 km Ku’Damm gibt es keinen einzigen gepflegten Mittelstreifen! Hinzu kommen Stolperfallen auf mehreren Mittelinseln.

Bäume:
Selbst in Zeiten des schärfsten die-Stadt-kaputt-Sparens wurden zu Schaden gekommene Bäume am Kurfürstendamm schnellstmöglich (!) ersetzt, es fehlen aktuell auf dem Kurfürstendamm mehrere Bäume, z.B. zwischen C&A und Karstadt, Ku’Damm/Olivaer Platz usw

Kaputte Baumscheiben, z.B. Ranke/Tauentzienstraße, zum Glück im Moment teilweise durch Grün verschönert.

Ungepflegte Baumscheiben, von Halensee bis zur Gedächtniskirche.

Die seit Monaten währende Katastrophe um den westlichen Eingang des U-Bahnhofs Uhlandstr (verrottete, sich teilweise widersprechende alte Schilder, Hinweise nur auf Deutsch und Englisch) scheint BA und Senat ebenfalls nicht aus ihrem desinteressierten Koma zu reißen.

Absperrungen, die seit Monaten ohne Aussicht auf Verbesserung der Situation zur Verlegung von Bushaltestellen führen (Olivaer Platz, Richtung Halensee).


Wir haben uns den Kurfürstendamm auf seiner ganzen Strecke von Halensee bis zum Europacenter angeschaut und kamen mit diversen Anrainern ins Gespräch.

„Ich wohne hier seit 34 Jahren, der Ku’Damm ist mein Wohnzimmer,-so schlimm sah es nie aus“ .

Auf unserem Spaziergang entlang des Boulevards haben wir keinerlei Zeichen der Hoffnung für den Kurfürstendamm gesehen. Stattdessen jedoch eifrige Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die Parkscheiben überprüften, sich aber beim Thema Verwahrlosung nicht zuständig fühlten.

Wir fragen Sie: Hat das BA ein GESAMTKONZEPT für den Kurfürstendamm?
Falls nicht:
Wie wäre es, statt Gesamtkonzept, auf den verwahrlosten Mittelstreifen ein Buchstabenrätsel aus Beton zu verteilen, aus dem am Schluß Touristen den Namen dieser Brache, nämlich „Kurfürstendamm“, erkennen können?

Wir fragen Sie: Was hat das Ba in den letzten Jahren für die optische Pflege und Aufwertung des Kurfürstendamms getan und was gedenkt es in nächster Zeit zu tun?
Was hat das Ba gegenüber dem Senat unternommen, um den Kurfürstendamm wieder in einen Zustand zu versetzen, der zum Begriff „Prachtboulevard“ oder „Prachtstraße“ passt, um den Ku‘Damm erneut in einem Zusammenhang mit wichtigen Boulevards aus aller Welt erwähnen zu können?

Der Aufschrei der Gedächtniskirche beim Thema Breitscheidplatz findet in unserem Erleben des Kurfürstendamms auf seinen drei Kilometern ein starkes Echo.
Wir gehen davon aus, dass die Pflege der wichtigsten Straße in unserem Bezirk weder am Personal, noch mangelnder finanzieller Ausstattung scheitern darf bzw bisher gescheitert ist. Wenn es selbst unter dem Spardiktat von Klaus Wowereit möglich war, den Ku‘Damm vorzeigbar zu halten, kann es nur an Ihrem politischen Willen liegen, dass der Kurfürstendamm heute der Ansammlung ungezählter kleiner Brachen gleicht.
Zusammen mit vielen Berlinerinnen und Berlinern, vor allem aber ungezählten Menschen aus unserem Bezirk, wünschen wir uns von Ihnen, dass der Ku‘Damm ab sofort nicht mehr wie ein verstoßenes Kind , sondern wieder als Herz der City-West behandelt wird!

Solange das Ba nicht in der Lage ist, diese Zustände zu beenden, empfiehlt es sich wohl, auf Weihnachtsbeleuchtung zu verzichten; es könnte zu viel Licht auf Unkraut, Stolperfallen, Dreck, kaputte Mittelstreifen und verschlissene U Bahneingänge fallen.

Sie hätten dann eine Sorge weniger.

Mit hoffnungslosen Grüßen

Christine Wußmann-Nergiz
Vorsitzende der Aktiven Bürger

Heinz Murken
stellvertretender Vorsitzender der Aktiven Bürger

Der Offene Brief als pdf mit Bildern